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26. Oktober 2007

Jakobswege sollen nutzbar werden

Eine Tagung und eine Ausstellung im St.-Marien-Dom

(Märkische Oderzeitung)

 

Von Stefan Lötzsch

Fürstenwalde (MOZ) Die wissenschaftliche Vorarbeit ist getan, nun soll es an die Umsetzung gehen: Im Fürstenwalder St.-Marien-Dom fand gestern eine Konferenz zum Jakobspilgerweg in unserer Region statt. Gleichzeitig wurde auch eine Ausstellung eröffnet. Der Reformator Martin Luther hatte zu Pilgern und Wallfahrten eine klare Meinung: Man sollte lieber in das Haus der hilfsbedürftigen Nachbarn gehen und nicht auf Wallfahrten, auch sei Pilgern Vergeudung von Arbeitszeit. Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises, rief in seinen Begrüßungsworten den Reformator ins Gedächtnis. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Tag über den Jakobsweg in einer evangelischen Kirche stattfindet", sagte er im St.-Marien-Dom. War es doch die Reformation, die Wallfahrten beendet hat. Falscher Wunderglaube und Geschäftemacherei hatte Luther daran bekämpft. Inzwischen haben sich die Motive zu pilgern gewandelt. Man macht sich dabei auf einen Weg zu sich selbst und zu Gott, sagte Schürer-Behrmann. "Die Menschen suchen den Sinn des Lebens", umschrieb das Pater Javier von der katholischen Kirche ein Motiv. Schließt man sich diesen Definitionen an, dann ist in der Region ein Stück des Weges zu sich selbst freigelegt worden. Studenten und Professoren der Frankfurter Uni Viadrina haben ein Stück des Jakobsweges in der Region, auf dem vor hunderten Jahren Menschen zum spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela unterwegs waren, freigelegt - von Frankfurt nach Müncheberg. Das soll nun bekannt und nutzbar gemacht werden. In Arbeitsgruppen wurden dafür Vorschläge gesammelt. Da geht es zunächst um ganz profane Dinge, wie etwa Marketing. Zum Beispiel müssen Qualitätsmaßstäbe an die Pilger-Wege angelegt werden, wie sie auch für Wanderwege gelten, sagte Eiko Rieß vom Landestourismusverband. Die Pflege der Strecken müsste geregelt werden. Rieß schlug vor, die Gastwirte entlang der Strecke zu einem Workshop einzuladen. Er regte auch an, als Ergebnis der Gruppenarbeit auch aufzuklären. "Brandenburg ist nicht tief religiös." Carola Ritter von der evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg nannte als ein Ergebnis ihrer Arbeitsgruppe den Vorschlag, einen Förderverein zu gründen. Dem sollten Kirche, Kommunen und Touristiker angehören. Der Verein könnte sich um die Wege kümmern. Pilger hätten auch Erwartungen, sagte sie: "Pilger wollen begleitet werden." Kirchen und andere Orte der Begegnung entlang des Weges müssten feste Öffnungszeiten haben. Dass es zumindest ein zaghaftes Interesse an der regionalen Pilgerstrecke gibt, sagte Sabine Weihrich vom Fürstenwalder Tourismusbüro der MOZ. Anfragen seien schon gekommen. Es fehlt aber Informationsmaterial und Gastgeberverzeichnis, das auf Pilgerbedürfnisse abgestellt ist.

Die Märkische Oderzeitung im Internet:
www.moz.de