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08. September 2009

Wissenswertes Büchlein über Villen am Meer

(Ostsee-Zeitung)

Binz. Vom einst verblichenen und später wieder erstrahlten Glanz vieler Gebäude auf Rügen und Hiddensee erzählt das Buch „Landhäuser und Villen
am Meer“. Der Berliner Verlag „Culturcon medien“ hat einen kleinen feinen Band herausgebracht, der mit gut geschriebenen Texten von Barbara Finke und Beatrice Pippia sowie hervorragenden Fotos von Claudius Pippia den Zusammenhang zwischen historischen Epochen und Architektur auf den beiden Inseln aufzeigt. Verschiedene Stile der Landhausarchitektur, Geschichten und Hintergründe zu den Bauherren, Bewohnern und Gästen der schönen Villen und zahlreiche Anekdoten machen den in der Reihe „ArchitekTOUR – Mecklenburg-Vorpommern“ erschienenen Band zu einem wichtigen Begleiter für Urlauber. Das Buch kommt genau zur rechten Zeit: Das für seine weißen, verspielten Villen  berühmte Ostseebad Binz hat den September zum Monat der Bäderarchitektur ausgerufen – mit einer umfangreichen Fotoausstellung, interessanten Vorträgen und wöchentlichen Architekturführungen. Die heutigen Ostseebäder Binz, Sellin und Göhren, im 18. Jahrhundert noch kleine Fischer- und Bauerndörfer, sind letztlich ein Produkt der Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts. Die ersten Privatleute damals mit Ornamenten und Rosetten reich verzierte Häuser am Strand, ausgestattet mit Balkonen, Veranden und Pavillons. Sommerfrische und Sommerurlaub waren damals dem wohlhabenden Bürgertum vorbehalten, man reiste mit Sack und Pack ans Meer, oft für mehrere Monate, um der drückenden Hitze und Enge der Großstädte zu entfliehen.
Roter Faden in dem Buch sind die wichtigsten zeitgeschichtlichen Perioden im vergangenen Jahrhundert: Die 1920er Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg, die DDR-Zeit und die letzten 20 Jahre nach der Wende. Eine Schlüsselrolle für das Schicksal der Bäderarchitektur-Häuser spielte die „Aktion Rose“, die in dem Buch knapp und anschaulich erklärt wird. 1953 verfügte die DDR-Regierung, einen Großteil der Fremdenunterkünfte in Volkseigentum umzuwandeln, was zu einer Massenenteignung der damaligen Hausbesitzer und letztlich zu deren Flucht in den Westen führte. Vor allem die Häuser auf Rügen wurden deshalb zu den  unterschiedlichen Zeiten völlig unterschiedlich genutzt: Zunächst als Sommerunterkünfte, im Krieg als Flüchtlingslager, später als Wohn- und Mietshäuser, Ferienheime für DDR-Ministerien, sogenannte Ferienobjekte für Angehörige volkseigener Betriebe, Büros, Kantinen, Großküchen, ja sogar als Entbindungsstation. Schön stellen die Autorinnen dar, wie sich mit den Zeiten auch der Charakter von Urlaub veränderte. „Es war nicht nur das landschaftliche Panorama, von dem sich viele angezogen fühlten, sondern zunehmend auch das Meer, dessen heilende Wirkung sich herumgesprochen hatte.“ Gesundheitsurlaub kam um die Jahrhundertwende zum ersten Mal in Mode. Erstaunlich aus heutiger Sicht: Erfolgreichstes Seebad war zunächst Sassnitz, das mit dem Bau des Hafens nach und nach aber an Beliebtheit verlor. An seine Stelle rückten Binz, Sellin und Göhren, wobei Sellin eine besondere Rolle zukam. Dort wurden mit den historischen Burgvillen Rotraut und Wiking Hall die ersten Sanatorien gebaut, die neue Behandlungsmethoden wie Licht- und Luftbaden sowie Naturheilkunde propagierten. Fazit: Ein wunderbares, viel Wissen vermittelndes Buch, das sehr übersichtlich gegliedert und mit einem reichen Literaturverzeichnis ausgestattet ist.